Pädagogische Stiftung Cassianeum

Pressemitteilung „Kinderheim Cassianeum“

 

Donauwörth (21.02.2018) Der Vorstand der Pädagogischen Stiftung Cassianeum reagiert mit großer Betroffenheit auf die Berichterstattung des Bayerischen Rundfunks zur Geschichte des Cassianeums. In dem zur Stiftung gehörenden Kinderheim, das schon in den 1970er Jahre geschlossen wurde, hat es Fälle physischer und psychischer Gewalt gegeben. „Was die von körperlichen und seelischen Misshandlungen betroffenen Frauen geschildert haben, hat mich zutiefst bewegt und auch beschämt“, betont Peter Kosak im Namen des Vorstands der Stiftung. „Ihnen gehört deshalb mein Mitgefühl und auch meine Anteilnahme.“ Er könne auch deren persönliches Interesse an einer Aufarbeitung der Vorkommnisse sehr gut nachempfinden, so Kosak weiter. „In der Tat hat es bei Bekanntwerden der Fälle bereits seitens des Cassianeums mehrmals Versuche gegeben, mit den Frauen in Kontakt zu treten und mit ihnen über ihre Erfahrungen zu sprechen.“ Diese angebotenen Gespräche seien jedoch nicht zustande gekommen. Er könne im Nachhinein sogar gut verstehen, wie schwer es für die Frauen gewesen wäre, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Deshalb ist es bisher dabei geblieben, dass die betroffenen Frauen sich an die diözesanen Missbrauchsbeauftragten gewandt und Leistungen in Anerkennung des Leids, das ihnen dort zugefügt wurde, erhalten haben.

„Ich bin seit zwei Monaten Vorstand unserer Stiftung und somit erst seit wenigen Wochen im Amt. Dass unsere Stiftung überhaupt einmal ein solches Kinderheim betrieben hat, wurde mir persönlich erst durch die Anfrage des Bayerischen Rundfunks bekannt“, betont Kosak. „Zu meinem großen Erstaunen musste ich zudem feststellen, dass es über dieses im Jahr 1977 geschlossene Heim weder im Cassianeum noch im Stadtarchiv Donauwörth bis auf einige wenige Informationen keinerlei Archivbestände mehr gibt.“ Er sehe es deshalb als eine wichtige und vorrangige Aufgabe an, soweit dies nach so langer Zeit überhaupt noch möglich sei, die Geschehnisse von damals aufzuarbeiten. „Wir werden damit den Bistumshistoriker mit seinen Mitarbeitern beauftragen, der uns dabei mit der nötigen Expertise und Distanz unterstützen kann.“ Er erhoffe sich davon eine gründliche Aufarbeitung und Dokumentation der Zusammenhänge. Diese würden dann auch entsprechend veröffentlicht. Zugleich habe er die dringende Bitte an weitere Betroffene, sich entweder bei der Missbrauchsbeauftragten der Diözese Augsburg oder direkt bei der Stiftung zu melden. Wichtig wäre es ihm aber auch, mit früheren Heimbewohnern oder Zeitzeugen von damals in Kontakt treten zu können.